Sophie – Bristol 2012/13


Vorbereitung (Planung, Organisation und Bewerbung bei der Gasthochschule)

Angefangen hat meine ERASMUS-Erfahrung im Dezember 2011, als ich anfing nachzuforschen, wie ich ein Auslandsjahr machen könnte. Da ich eine Wirtschaftsingenieurin bin, stellte sich erstmal die Frage bei wem ich mich denn bewerben kann/darf. Glücklicherweise durfte ich mich den Wirtschaftswissenschaftlern und den Ingenieuren (Elektrotechnik und Maschinenbau) bewerben. Also hatte ich die Qual der Wahl, aus knapp 20 Universitäten meine 9 Favoriten rauszusuchen. Und dann kamen noch die 12 Motivationsschreiben… Nachdem diese Hürde gemeistert war, hieß es erstmal warten.

Am 25. Januar kam dann endlich die Zusage für meine zukünftige Austauschuniversität: Das TFD sagte für Bristol zu. Nach den ersten paar Tagen Jubel wurde ich aber langsam nervös. Jetzt war ich wirklich auf dem Weg ins Ausland. Für 10 Monate weg von der Familie, weg von Hannover. Ich wohnte ja immer noch bei meinen Eltern und hatte nie außerhalb von Hannover gewohnt. Und jetzt ging es gleich auf die Insel. Wenigstens sprach ich die Sprache.
Aber es gab noch viel zu tun. Ich musste mein Learning Agreement zusammenstellen und ein Haufen digitaler Papierkram musste auch noch bewältigt werden. Also verbrachte ich meine Semesterferien und das Sommersemester vor allem damit, durch das Vorlesungsverzeichnis in Bristol zu scrollen und den International Offices in Hannover und Bristol E-Mails zu schicken.
Als dann das Learning Agreement zusammengestellt war, kam der eigentlich wichtigste Teil der Kurswahl auf: Die Anrechenbarkeit. Also schickte ich Mails an die englischen und deutschen Dozenten und versuchte, Informationen hin- und herzuleiten um Tendenzen über die Anrechnung zu bekommen.

Unterkunft

Neben der Kursfrage musste ich mich auch um den dringendsten Teil des Auslandsjahres kümmern. Meine Zimmersuche. Zuerst bewarb ich mich für die Unterkunft in Halls, Studentenwohnheime, in die die meisten der Erstsemester kamen. Leider war mir als ERASMUS-Student jedoch kein Zimmer garantiert. Also wartete und wartete ich.
Anfang September dann der Schock: Ich hatte kein Zimmer bekommen. Und das Semester fing am 1. Oktober an. Ich hatte also einen Monat Zeit, mir ein Dach über dem Kopf zu suchen. Also googlete ich mich durch das Internet auf der Suche nach einem bezahlbaren Zimmer in Bristol, bei dem mir die Kakerlaken nicht guten Morgen sagten und wo ich nicht Angst haben musste, jeden Morgen erstochen zu werden.

Meinen Flug hatte ich für Ende September gebucht und so brach ich am 28. September mit einem 23 Kilo schweren Koffer und einem bestimmt 5 Tonnen wiegenden Rucksack auf. Ein Zimmer hatte ich noch nicht, dafür hatte ich einige Wohnungsbesichtigungen und eine Nacht im Hostel reserviert.

An meinem ersten Tag hatte ich drei Besichtigungen. Und bei einem von den Zimmern gab es dann ein überglückliches „Ja“. Das Zimmer gehörte einem Ehepaar, die internationale Leute beherbergten. Insgesamt hatten sie 6 Zimmer zur Vermietung, die über den Laufe das Jahres mal mehr, mal weniger gefüllt waren. Meine Vermieter wohnten mit in dem Haus, sowie ihr ältester Sohn, und das Ganze hatte eher das Gefühl einer Gastfamilie als einer WG. Vor allem, weil Abendessen und am Wochenende Lunch zusammengegessen wurde. Zu Stoßzeiten waren wir 13 Leute, die sich um den Tisch quetschten.

Studium an der Gasthochschule

Der größte Unterschied zwischen dem Studium in England und dem in Deutschland war, dass Vorlesungen nur 50 Minuten dauerten. Eine super Sache für mich (und wahrscheinlich auch viele andere Studenten), da meine Konzentrationsfähigkeit so gut wie nie über 90 Minuten hält und ich meistens mindestens die letzte Viertelstunde in Deutschland nichts mehr mitbekomme.

Davon abgesehen wurde viel mehr praktisch gearbeitet. In 7 meiner 9 Kurse musste ich Kursarbeiten abgeben, die alle in die Note eingingen. In zwei Kursen sogar zu 50%. Also hatte ich neben zwei Vorlesungen pro Fach pro Woche im Durchschnitt 3 extra-Stunden, in denen ich im Labor saß und Versuche ausgeführt hatte. Über diese Versuche durfte ich dann pro Fach einen Bericht schreiben, der im Durchschnitt 10% meiner Note bestimmte.

Obwohl das Studium auf den ersten Blick sehr verschult klingt, wird von den Studenten viel Selbstdisziplin verlangt. Es wird selten kontrolliert ob man bei den Laboren war und auch Tutorien gibt es nicht. Es werden zwar Übungszettel und alte Klausuren ausgeteilt, aber niemand kontrolliert ob diese tatsächlich auch bearbeitet werden.

Dafür sind die Dozenten sehr viel zugänglicher. Ich hatte das Gefühl, dass die Dozenten an die Uni gekommen waren, um zu Lehren und nicht um zu Forschen. Man war zu einem Abgabetermin in London? „Kein Problem, dann gib den Bericht ab, wenn du wieder da bist.“ Der Labortermin überschneidet sich mit einer Vorlesung? „Dann lege ich den Labortermin eben um.“ Vielleicht lag es auch daran, dass jeder Dozent Tutor einer Gruppe von bis zu 6 Studenten ist. Das heißt, dass er den Studenten hilft, ihr 3rd oder 4th Year Project (im Prinzip die englische Version einer Bachelor-Arbeit) zu finden, ihnen bei Schwierigkeiten im Studium unter die Arme greift und auch sonst bei Fragen immer zur Verfügung steht.

Eine Sache, die in Hannover besser ist: In Bristol gibt es keine Mensa. Der Campus ist riesig aber kompakt und trotzdem gibt es keine offizielle Uni-Mensa. Dafür stand zur Mittagszeit ein Ciabatta- Stand in der Mitte des Campus und ein Sainsbury’s war auch in 5 Minuten zu erreichen.

Der Aufbau des Studiums (zumindest der Ingenieurswissenschaften) war auch sehr anders. Das Jahr bestand nicht aus 2 Semestern sondern aus 24 Wochen Vorlesungszeit die in 2 Teaching Blocks aufgeteilt waren und 4 Wochen Klausurenphase. Da die Klausurenphase direkt an die Vorlesungen anschloss und alle meine 9 Klausuren in den ersten 3 Wochen lagen, waren meine Osterferien entsprechend stressig. Die Klausuren waren aber alle sehr fair und kein Dozent wollte die Studenten reinreißen (anders als man es von einigen Fächern in Hannover kennt…). Meine Ergebnisse waren dementsprechend zufriedenstellend mit 5 bestandenen Klausuren von 8 geschriebenen. In einer hatte ich wegen Krankheit gefehlt.

Der Vorteil der frühen Klausuren war, dass ich schon Mitte Juni mit allen Klausuren fertig war und dementsprechend länger Ferien habe.

Alltag und Freizeit

Die Sache, die ich in Hannover am meisten Vermissen werde (abgesehen von den Leuten, die ich in Bristol getroffen habe) sind die Societies. In Bristol, und ganz Großbritannien, sind Societies an Universitäten sehr ausgeprägt. Für jedes Interesse gibt es eine Hochschulgruppe.
Diese Societies sind unter dem Dach der Student Union, dem britischen Asta, und in der Freshers-Week, der O-Phase stellen sich alle Societies mit ihren Ständen vor. Ich war Mitglied des Rugby Clubs und der Film Society. Außerdem nahm ich an den Try-Outs des American Football Teams teil, aber als einzige Frau waren meine Chancen natürlich nicht sehr hoch und ich schaffte es nicht ins Team.

Die Film Society war eher locker organisiert und unser einziges Arbeitsergebnis war ein Musikvideo, auf das ich ziemlich stolz bin.

Der Rugby Club dagegen war wie ein richtiger Verein, da der Hochschulsport in Großbritannien wie Vereinssport aufgebaut ist. Der UBWRFC (University of Bristol Women’s Rugby Club) war letzte Saison abgestiegen, also fingen wir in der dritten Liga an. Neben dem Ligabetrieb gab es einen Liga-internen Pokal und das alljährliche Varsity-Spiel gegen UWE, die andere in Bristol ansässige Uni.

Training war 3 Mal die Woche plus ein Spiel pro Woche. Da das Wetter aber vor allem 2012 dazu führte, dass der Platz regelmäßig unter Wasser stand, und Training und Spiele abgesagt werden mussten. Diese wurden aber alle von Januar bis März 2013 nachgeholt. Das führte leider auch manchmal dazu, dass wir 4 spiele in 10 Tagen hatten. Beim Rugby führte das dann dazu, dass man sich die Woche nach den Spielen nicht mehr bewegen konnte.

Am Ende der Saison standen wir mit dem Wiederaufstieg und einem zweiten Platz im Pokal da. Highlight des Rugby-Jahres war aber das Varsity Spiel. Das Spiel fand im Stadion des lokalen Zweitligisten statt und wir hatten 500 Zuschauer. Außerdem bekam jeder ein Trikot mit seinem Namen.

Abgesehen vom Club-Rugby nahm ich am Wochenende am Flag Football und Touch Rugby teil. Beide wurden von der Student Union veranstaltet und waren kostenlos und offen für alle. Nach der Rugby-Saison spielte ich Australian Rules Football bei den Bristol Dockers und durfte sogar bei einem Spiel gute 60 Minuten spielen. Da ich die einzige Frau war, war das für mich eine große Leistung.

Neben dem Sport unternahm ich nicht besonders viel. Meistens traf ich mich mit Freundinnen vom Rugby, oder ich ging mit Freunden aus meiner Kirchengruppe ins Kino.
Zwei Tagestrips nach Cardiff und Bath machte ich auch (mit der Bahn war man in einer Stunde bzw. 15 Minuten da) und natürlich war ich zwei Mal über das Wochenende in London.

Fazit

Das Beste am meinem Jahr waren definitiv die Leute die ich kennengelernt habe. Alle Leute die ich getroffen habe waren sehr aufgeschlossen und ich habe einige Freundschaften fürs Leben geschlossen.

Das Schlechteste war die Unterkunft-Situation. Ich fand es sehr unglücklich, dass wir uns Zimmer selber suchen mussten und die Uni uns nicht unterstützte. Ich hatte Glück, aber ich habe von mehreren Leuten gehört, die nach einigen Wochen wieder nach Hause geflogen sind, weil sie kein Zimmer bekommen hatten.

 


Nora – Oulu, Finnland 2012/13


Vorbereitung

Die Vorbereitung auf mein Auslandssemester besteht aus zwei Teilen. Ein Teil ist der Bewerbungs-prozess. Der andere Teil ist meine persönliche Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt.

Im Bewerbungsprozess habe ich mich zunächst an der Universität Hannover, um einen Studienplatz in Oulu beworben. Anschließend musste ich mich noch einmal an der Universität in Oulu bewerben. In Finnland gibt es öffentlich verwaltete Studentenwohnheime. Die meisten Austauschstudenten, aber nicht alle, konnten dort ein Zimmer mieten. Daher ist es von Vorteil, sich frühzeitig um einen Wohnheimplatz zu bewerben. Die Zimmer werden in Oulu von einer Gesellschaft namens „PSOAS“ vergeben. Viele weitere Informationen sind auf deren Internetseite zu finden.

Persönlich habe ich mich auf das Auslandssemester vorbereitet, indem ich Erfahrungsberichte von anderen Austauschstudenten, die in Finnland bzw. in Oulu waren, und einen Reiseführer gelesen habe. Ich habe einen Englischkurs besucht, um mich wieder daran zu gewöhnen, Englisch zu sprechen. Außerdem habe ich mir Gedanken über meine persönlichen Ziele (Zurechtfinden in einer fremden Umgebung mit einer fremden Sprache, Freunde an einer neuen Universität finden) gemacht, die ich durch das Auslandssemester erreichen wollte.

Unterkunft

Wie oben angedeutet habe ich in Oulu in einem Wohnheimzimmer von PSOAS gewohnt. Das Zimmer war ungefähr 17 m2 groß und möbliert. Es war ein Kleiderschrank, ein Bett, ein Tisch und ein Stuhl vorhanden. Außerdem war ein Waschbecken mit Spiegel und einem kleinem Schrank im Zimmer untergebracht. Außerhalb meines Zimmers gab es 2 Toiletten, 2 Duschen und eine Gemeinschaftsküche, die ich mit 6 anderen Bewohnern geteilt habe. Teilweise waren die Möbel beschädigt, allerdings hat sich PSOAS schnell um eine Reparatur/Ersatz gekümmert. Außerdem war ich positiv von der Sauberkeit der gemeinsam genutzten Räume überrascht. Einerseits haben meine Mitbewohner regelmäßig geputzt. Anderseits kam einmal in der Woche eine Reinigungsfirma, welche die Toiletten, die Duschen und die Fußböden gereinigt hat obwohl wir offiziell alles selber putzen mussten.

Die meisten Austauschstudenten in Oulu leben mit anderen Austauschstudenten in einem Gebäude. Der Vorteil ist, dass man schnell erste Kontakte knüpft, der Nachteil, dass man sich anstrengen muss, um Kontakt zu finnischen Studenten herzustellen.

Studium

Die Studienordnung in Oulu ist sehr angenehm. Sowohl nicht bestandene als auch bestandene Klausuren dürfen beliebig oft wiederholt werden und nur die beste Note zählt. Darüber hinaus dauern Klausuren in der Regel vier Stunden obwohl oft bereits zwei Stunden ausreichen würden, um die Klausur zu bearbeiten und noch einmal zu überprüfen.

Generell sind finnische Universitäten sehr informell. Professoren und Dozenten werden üblicherweise geduzt und es ist erlaubt, Kurse an anderen Fakultäten zu belegen. Einige Kurse, die in Oulu angeboten werden, haben eine begrenzte Teilnehmerzahl. Zwei Kurse, die ich belegen wollte, waren bereits voll bevor ich die Möglichkeit hatte mich anzumelden. Folglich ist ein Learning Agreement keine Garantie für die Möglichkeit, an den gelisteten Kursen mit begrenzten Teilnehmerzahlen teilnehmen zu können. Daher sollte in diesen Fällen der Dozent schon vorab kontaktiert werden. In Oulu werden sehr viele Kurse auf Englisch angeboten. Oft gibt es zusätzlich die Möglichkeit Kurse, deren Vorlesungen auf Finnisch abgehalten werden, mit englischem Lehrmaterial und einer Prüfung auf Englisch zu absolvieren.

Die Universität Oulu ist mit zwei großen Bibliotheken ausgestattet. Dort gibt es viele PC-Arbeitsplätze und darüber hinaus gibt es zwei PC-Räume sowie PCs auf den Fluren. Jedem Studenten steht an jenen PCs ein Druckkontingent von 100 DIN A4 Seiten pro Monat zur Verfügung.

In der Universität gibt es eine große Mensa und mehrere kleine Mensen, die spezielle Angebote wie Fisch oder Pizza haben. In der Hauptmensa gibt es eine Salatbar, die sehr zu empfehlen ist.

Insgesamt hat mir das Studium an der finnischen Universität sehr gut gefallen!

Alltag und Freizeit

Zum Alltag in Oulu sollte auf jeden Fall das Essen in der Mensa gehören. Ich habe mich dort häufig mit Freunden getroffen und das qualitativ gute Essen für 2,70€ genossen. Auch der Weg mit dem Fahrrad durch den Wald zur Universität oder in die Stadt ist sehr schön und empfehlenswert. In Oulu wird generell viel Fahrrad gefahren, der Bus ist erst im Winter das geeignetere Fortbewegungsmittel.

Als Freizeitaktivitäten sind Wochenendausflüge sehr beliebt gewesen. Teilweise werden sie von Gruppen wie „ESN“ oder „NISO“ organisiert. Gerade diese sind am Anfang gut, um neue Leute kennenzulernen. Sobald die ersten neuen Freunde gefunden sind, bietet es sich auch an, einen privaten Wochenendausflug zu organisieren. Wir haben ein großes Auto und zwei Ferienhäuser („mökki“ auf Finnisch) gemietet und haben ein Wochenende im Nationalpark Oulanka verbracht. Das war vergleichsweise günstig und hat sehr viel Spaß gemacht.

Fazit

Die besten Erlebnisse in Oulu waren die Mahlzeiten mit Freunden in der Mensa, die Wochenendausflüge, die Feiern in den Studentenwohnheimen und die Erfahrung, dass ein Studium ganz anders organisiert sein kann als in Hannover.

Wirklich schlechte Erfahrungen habe ich in Finnland nicht gemacht. Allerdings fand ich das undurchsichtige Vergabeverfahren der Wohnheimzimmer-Vermittlung unangenehm, da nicht abzuschätzen war wie wahrscheinlich es ist, ein Zimmer zugeteilt zu bekommen.

 


Natalie – Barcelona, Spanien 2014


Vorbereitung

Anfang Oktober 2013 entschied ich mich recht spontan dazu mich für ein Auslandssemester zu bewerben. Daraufhin informierte ich mich an der Online-Börse des Hochschulbüro für Internationales der Leibniz Universität Hannover, wohin und wann man als Studentin der Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie für ein Semester einen Austausch machen kann. Es gab auf Grund der knappen Zeit, die bis zum Sommersemester blieb, nur noch wenig Auswahl. Die Universidad Politecnica de Catalunya (UPC) in Barcelona sprang mir jedoch sofort ins Auge. Weil ich nach dem Abitur bereits für drei Monate in Katalonien (im französischen Perpignan) lebte und davon begeistert war, fiel mir die Entscheidung sehr leicht.

Die Bewerbung reichte ich dann Ende Oktober ein, ein Dokument, das in der kurzen Zeit noch nicht vorlag, durfte ich Dank der Nachsicht der spanischen Partneruniversität nachreichen. Das Learning Agreement stimmte ich mit meiner Fakultät ab und es wurde dann noch zweimal in Hannover geändert. Da ich mein Bachelor-Studium in Hannover fast abgeschlossen habe, bewarb ich mich in Barcelona sowohl für den Bachelor als auch für den Master.

Knapp einen Monat später, also Ende November bekam ich dann die Zusage der UPC – ich war für Master-Kurse angenommen worden. Weil ich mir selbst noch nicht sicher war, in welchem Bereich ich für mein weiteres Studium vertiefen möchte, wählte ich meine Kurse breitgefächert: Building Structures, Planning and Managemant of Transportation, Planning and Management of Coastal Engineering und Bridges.

Unterkunft

Schon nach dem Einreichen der Bewerbung habe ich mich voller Vorfreude auf die Suche nach WGs gemacht und habe mich relativ schnell entschieden. Die Internet-Anzeige war sehr nett und vertrauenswürdig und nach deutscher Manier konnte man Zimmer reservieren. Vor Ort wurde ich jedoch leider enttäuscht: Meine Mitbewohner waren ausschließlich deutsch (in der Anzeige war von internationalen Studenten und Praktikanten die Rede) und haben mir schon von Anfang an abgeraten weiter in der Wohnung zu wohnen. Die Vermieterin sei nicht vertrauensvoll und die Miete für die nicht-zentrumsnahe Lage und Ausstattung zu hoch. Des weiteren musste ich zweimal umsteigen um zur Uni zu kommen und auch die zukünftigen Mitbewohner (meine derzeitigen blieben nur noch wenige Wochen) wurden beliebig in die freien Zimmer „gesteckt“.

In Spanien ist die Wohnungssuche sehr entspannt: Man kann von heute auf morgen einziehen und einen Mietvertrag gibt es äußerst selten; alles wird in bar bezahlt. Daran muss man sich als Deutsche erst einmal gewöhnen. Bei idealista.com und loquo.com gibt es sehr viele Anzeigen und so habe ich im März über zehn verschiedene Wohnungen in rund sechs verschiedenen Stadtteilen Barcelonas gesehen. Positiv daran war, dass ich mich dadurch in Barcelona immer besser zurecht fand und zudem auch neue Leute kennenlernte.

Schließlich fand ich dann eine Wohnung im El Born, der im Laufe der Zeit zu meinem absoluter Lieblingsstadtteil wurde. Die Wohnung und die Mitbewohnerinnen passten perfekt zu mir. Ich lebte mit zwei Französinnen zusammen – ein weiterer Vorteil, denn so konnte ich nebenbei auch noch meine Französischkenntnisse verbessern.

Die Wohnungsstandards in Spanien sind niedriger als in Deutschland und im Februar war es nachts noch sehr kalt; und obwohl ich mich dick einpackte, schlief ich wegen der schlechten Isolation der Häuser (durch die Fenster kam bei starkem Wind sogar Luft) die ersten Wochen sehr schlecht. Im Sommer ist es dann sehr heiß, was mir jedoch nicht viel ausmachte. Die meisten Wohnungen werden mit Gasflaschen versorgt, was anfangs sehr gewöhnungsbedürftig war. Diese Flaschen werden mehr oder weniger legal von den „Pakis“, die mit den Gasflaschen durch die Straßen laufen, gekauft. So werden die Geschäftsleute, die an jeder Straßenecke Lebensmittel und was man sonst noch braucht, genannt, denn sie stammen meist aus Pakistan.

Studium

Durch die „späte“ Prüfungsphase in Hannover verpasste ich die Einführungs- und die erste Vorlesungswoche, da ich die Dozenten jedoch schon vorher per E-Mail benachrichtigt habe, war das kein Problem. Wie bereits oben erwähnt, wählte ich vier Kurse, die verschiedene Fachbereiche abdeckten. Zwei davon waren auf englisch und zwei auf spanisch, wobei teilweise in den englischsprachigen Kursen auf spanisch oder katalanisch referiert wurde. Weil mein Spanisch vor meiner Anreise nur aus Grundkenntnissen bestand, hätte ich gerne einen Spanisch-Sprachkurs belegt. Dieser war mit ca 400 Euro jedoch nicht in meinem Budget. Ich habe mich dann für einen Katalanisch-Sprachkurs entschieden, der viel günstiger war. Leider ist dies nicht das einzige Beispiel dafür, dass die finanziellen Bedingungen in der Heimatuniversität besser sind als in Barcelona. Das Mensaessen erreichte einfache Restaurantpreise, eine vergünstigte Fahrkarte oder Sportangebote gab es leider ebenfalls nicht.

Das Studium ist in Barcelona sehr anders aufgebaut und strukturiert als das in Hannover. Es gab viele Gruppen- oder Hausarbeiten und auch teilweise schon während des Semesters (Zwischen-)Prüfungen; in Hannover gibt es nur Prüfungen am Ende des Semesters. Außerdem fehlten mir leider einige Grundlagen, wie das Beherrschen von Computerprogrammen für die Bearbeitung der Haus- oder Gruppenarbeiten und natürlich gab es auch sprachliche Schwierigkeiten, die es zu überwinden hieß.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass es viele Feier- und Kulturtage gab, wie beispielsweise die Semana Santa (die Woche vor Ostern) oder der „Futur Civil 2014“, auf dem man als Student Firmen kennenlernen konnte und wonach die ganze Fakultät auf dem Campus feierte. Allgemein kann ich aber sagen, dass der Zusammenhalt unter den Studenten, seien es Austauschstudenten oder nicht, größer ist als in Hannover die Dozenten sehr flexibel waren und als Ansprechpartner immer verfügbar.

Alltag und Freizeit

In meinem Alltag habe ich neben den Aufgaben an der Universität hauptsächlich Unternehmungen mit anderen Austauschstudenten, mit denen man hauptsächlich englisch gesprochen hat, gemacht. Wir sind auf den Tibidabo oder den Montserrat gewandert, haben uns Girona oder Madrid angeguckt. Das ESN – Erasmus Student Network – hat viele Aktivitäten angeboten, wie Fahrten nach Sitges, das Nachbardorf Barcelonas, oder Kennenlernabende. Am schönsten sind mir die Abende, an denen wir gemeinsam gegessen haben in Erinnerung geblieben: ein „International Dinner“, bei dem jeder typische Gerichte aus seinem Land mitbrachte, fand ich am schönsten.

Ein großer Unterschied zu Deutschland ist, dass in Spanien alles etwas langsamer geht: meinen Studentenausweis habe ich erst nach gut zwei Monaten ausgehändigt bekommen und es wird vieles auf „mañana“ (morgen) verschoben. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran und die eigene deutsche Pünktlichkeit geht bei Verabredungen auch etwas verloren.

Die Katalanen sind allgemein viel aufgeschlossener und direkter als Deutsche, man wird von den Verkäuferinnen mit „¡Hola guapa!“ („Hallo Schöne“) angesprochen und am Telefon heißt es „¡Dimme!“ („Schieß los“). Fisch, Tapas und viel zu süße Kleinigkeiten beherrschen die katalanische Küche. Gegessen wird gerade mittags und abends viel später als mein deutscher Magen es gewohnt war, sodass mir des öfteren in den Vorlesungen, die bis 14:00 Uhr gingen, der Magen knurrte. Nachmittags isst man ein Bocadillo, ein Baguette-Sandwich, das nach Geschmack belegt ist. Am Abend geht es erst ab 21:00 Uhr mit dem Essen los.

Allgemein sind vor allem die Lebensmittel günstiger und gerade Obst und Gemüse sind viel geschmackvoller als Zuhause. Einkaufen kann man auch gut in den vielen kleinen Obst- und Gemüsegeschäften („Pakis“) , die es an jeder Straßenecke gibt. Teurer sind eigentlich nur die Drogerieartikel sowie Wohnungspreise, die verglichen mit hannöverschen Preisen erheblich teurer sind. Und wie oben erwähnt, war es auch leider nicht sehr einfach einen günstigen Sprachkurs zu finden. Schlussendlich habe ich zwei Sprachkurse nach der Prüfungszeit in einer privaten Sprachschule belegt.

Fazit

Trotz des holprigen Starts in der ersten Wohnung bin ich schlicht verliebt in diese tolle Mittelmeerstadt, denn hier habe ich wunderschöne Tage und Abende verbracht. Ich konnte meinen Horizont erweitern, ich habe meine Sprachkenntnisse in englisch, französisch und natürlich auch spanisch verbessern können und tolle Freundschaften geschlossen. Zudem habe ich die katalanische und spanische Kultur und Lebensart kennen gelernt, die ich mit seiner Entspanntheit und Lebensfreude sehr zu schätzen gelernt habe. Schließlich habe ich viel über mich selbst gelernt und würde am liebsten hier bleiben.