Vorbereitung

Anfang Oktober 2013 entschied ich mich recht spontan dazu mich für ein Auslandssemester zu bewerben. Daraufhin informierte ich mich an der Online-Börse des Hochschulbüro für Internationales der Leibniz Universität Hannover, wohin und wann man als Studentin der Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie für ein Semester einen Austausch machen kann. Es gab auf Grund der knappen Zeit, die bis zum Sommersemester blieb, nur noch wenig Auswahl. Die Universidad Politecnica de Catalunya (UPC) in Barcelona sprang mir jedoch sofort ins Auge. Weil ich nach dem Abitur bereits für drei Monate in Katalonien (im französischen Perpignan) lebte und davon begeistert war, fiel mir die Entscheidung sehr leicht.

Die Bewerbung reichte ich dann Ende Oktober ein, ein Dokument, das in der kurzen Zeit noch nicht vorlag, durfte ich Dank der Nachsicht der spanischen Partneruniversität nachreichen. Das Learning Agreement stimmte ich mit meiner Fakultät ab und es wurde dann noch zweimal in Hannover geändert. Da ich mein Bachelor-Studium in Hannover fast abgeschlossen habe, bewarb ich mich in Barcelona sowohl für den Bachelor als auch für den Master.

Knapp einen Monat später, also Ende November bekam ich dann die Zusage der UPC – ich war für Master-Kurse angenommen worden. Weil ich mir selbst noch nicht sicher war, in welchem Bereich ich für mein weiteres Studium vertiefen möchte, wählte ich meine Kurse breitgefächert: Building Structures, Planning and Managemant of Transportation, Planning and Management of Coastal Engineering und Bridges.

Unterkunft

Schon nach dem Einreichen der Bewerbung habe ich mich voller Vorfreude auf die Suche nach WGs gemacht und habe mich relativ schnell entschieden. Die Internet-Anzeige war sehr nett und vertrauenswürdig und nach deutscher Manier konnte man Zimmer reservieren. Vor Ort wurde ich jedoch leider enttäuscht: Meine Mitbewohner waren ausschließlich deutsch (in der Anzeige war von internationalen Studenten und Praktikanten die Rede) und haben mir schon von Anfang an abgeraten weiter in der Wohnung zu wohnen. Die Vermieterin sei nicht vertrauensvoll und die Miete für die nicht-zentrumsnahe Lage und Ausstattung zu hoch. Des weiteren musste ich zweimal umsteigen um zur Uni zu kommen und auch die zukünftigen Mitbewohner (meine derzeitigen blieben nur noch wenige Wochen) wurden beliebig in die freien Zimmer „gesteckt“.

In Spanien ist die Wohnungssuche sehr entspannt: Man kann von heute auf morgen einziehen und einen Mietvertrag gibt es äußerst selten; alles wird in bar bezahlt. Daran muss man sich als Deutsche erst einmal gewöhnen. Bei idealista.com und loquo.com gibt es sehr viele Anzeigen und so habe ich im März über zehn verschiedene Wohnungen in rund sechs verschiedenen Stadtteilen Barcelonas gesehen. Positiv daran war, dass ich mich dadurch in Barcelona immer besser zurecht fand und zudem auch neue Leute kennenlernte.

Schließlich fand ich dann eine Wohnung im El Born, der im Laufe der Zeit zu meinem absoluter Lieblingsstadtteil wurde. Die Wohnung und die Mitbewohnerinnen passten perfekt zu mir. Ich lebte mit zwei Französinnen zusammen – ein weiterer Vorteil, denn so konnte ich nebenbei auch noch meine Französischkenntnisse verbessern.

Die Wohnungsstandards in Spanien sind niedriger als in Deutschland und im Februar war es nachts noch sehr kalt; und obwohl ich mich dick einpackte, schlief ich wegen der schlechten Isolation der Häuser (durch die Fenster kam bei starkem Wind sogar Luft) die ersten Wochen sehr schlecht. Im Sommer ist es dann sehr heiß, was mir jedoch nicht viel ausmachte. Die meisten Wohnungen werden mit Gasflaschen versorgt, was anfangs sehr gewöhnungsbedürftig war. Diese Flaschen werden mehr oder weniger legal von den „Pakis“, die mit den Gasflaschen durch die Straßen laufen, gekauft. So werden die Geschäftsleute, die an jeder Straßenecke Lebensmittel und was man sonst noch braucht, genannt, denn sie stammen meist aus Pakistan.

Studium

Durch die „späte“ Prüfungsphase in Hannover verpasste ich die Einführungs- und die erste Vorlesungswoche, da ich die Dozenten jedoch schon vorher per E-Mail benachrichtigt habe, war das kein Problem. Wie bereits oben erwähnt, wählte ich vier Kurse, die verschiedene Fachbereiche abdeckten. Zwei davon waren auf englisch und zwei auf spanisch, wobei teilweise in den englischsprachigen Kursen auf spanisch oder katalanisch referiert wurde. Weil mein Spanisch vor meiner Anreise nur aus Grundkenntnissen bestand, hätte ich gerne einen Spanisch-Sprachkurs belegt. Dieser war mit ca 400 Euro jedoch nicht in meinem Budget. Ich habe mich dann für einen Katalanisch-Sprachkurs entschieden, der viel günstiger war. Leider ist dies nicht das einzige Beispiel dafür, dass die finanziellen Bedingungen in der Heimatuniversität besser sind als in Barcelona. Das Mensaessen erreichte einfache Restaurantpreise, eine vergünstigte Fahrkarte oder Sportangebote gab es leider ebenfalls nicht.

Das Studium ist in Barcelona sehr anders aufgebaut und strukturiert als das in Hannover. Es gab viele Gruppen- oder Hausarbeiten und auch teilweise schon während des Semesters (Zwischen-)Prüfungen; in Hannover gibt es nur Prüfungen am Ende des Semesters. Außerdem fehlten mir leider einige Grundlagen, wie das Beherrschen von Computerprogrammen für die Bearbeitung der Haus- oder Gruppenarbeiten und natürlich gab es auch sprachliche Schwierigkeiten, die es zu überwinden hieß.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass es viele Feier- und Kulturtage gab, wie beispielsweise die Semana Santa (die Woche vor Ostern) oder der „Futur Civil 2014“, auf dem man als Student Firmen kennenlernen konnte und wonach die ganze Fakultät auf dem Campus feierte. Allgemein kann ich aber sagen, dass der Zusammenhalt unter den Studenten, seien es Austauschstudenten oder nicht, größer ist als in Hannover die Dozenten sehr flexibel waren und als Ansprechpartner immer verfügbar.

Alltag und Freizeit

In meinem Alltag habe ich neben den Aufgaben an der Universität hauptsächlich Unternehmungen mit anderen Austauschstudenten, mit denen man hauptsächlich englisch gesprochen hat, gemacht. Wir sind auf den Tibidabo oder den Montserrat gewandert, haben uns Girona oder Madrid angeguckt. Das ESN – Erasmus Student Network – hat viele Aktivitäten angeboten, wie Fahrten nach Sitges, das Nachbardorf Barcelonas, oder Kennenlernabende. Am schönsten sind mir die Abende, an denen wir gemeinsam gegessen haben in Erinnerung geblieben: ein „International Dinner“, bei dem jeder typische Gerichte aus seinem Land mitbrachte, fand ich am schönsten.

Ein großer Unterschied zu Deutschland ist, dass in Spanien alles etwas langsamer geht: meinen Studentenausweis habe ich erst nach gut zwei Monaten ausgehändigt bekommen und es wird vieles auf „mañana“ (morgen) verschoben. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran und die eigene deutsche Pünktlichkeit geht bei Verabredungen auch etwas verloren.

Die Katalanen sind allgemein viel aufgeschlossener und direkter als Deutsche, man wird von den Verkäuferinnen mit „¡Hola guapa!“ („Hallo Schöne“) angesprochen und am Telefon heißt es „¡Dimme!“ („Schieß los“). Fisch, Tapas und viel zu süße Kleinigkeiten beherrschen die katalanische Küche. Gegessen wird gerade mittags und abends viel später als mein deutscher Magen es gewohnt war, sodass mir des öfteren in den Vorlesungen, die bis 14:00 Uhr gingen, der Magen knurrte. Nachmittags isst man ein Bocadillo, ein Baguette-Sandwich, das nach Geschmack belegt ist. Am Abend geht es erst ab 21:00 Uhr mit dem Essen los.

Allgemein sind vor allem die Lebensmittel günstiger und gerade Obst und Gemüse sind viel geschmackvoller als Zuhause. Einkaufen kann man auch gut in den vielen kleinen Obst- und Gemüsegeschäften („Pakis“) , die es an jeder Straßenecke gibt. Teurer sind eigentlich nur die Drogerieartikel sowie Wohnungspreise, die verglichen mit hannöverschen Preisen erheblich teurer sind. Und wie oben erwähnt, war es auch leider nicht sehr einfach einen günstigen Sprachkurs zu finden. Schlussendlich habe ich zwei Sprachkurse nach der Prüfungszeit in einer privaten Sprachschule belegt.

Fazit

Trotz des holprigen Starts in der ersten Wohnung bin ich schlicht verliebt in diese tolle Mittelmeerstadt, denn hier habe ich wunderschöne Tage und Abende verbracht. Ich konnte meinen Horizont erweitern, ich habe meine Sprachkenntnisse in englisch, französisch und natürlich auch spanisch verbessern können und tolle Freundschaften geschlossen. Zudem habe ich die katalanische und spanische Kultur und Lebensart kennen gelernt, die ich mit seiner Entspanntheit und Lebensfreude sehr zu schätzen gelernt habe. Schließlich habe ich viel über mich selbst gelernt und würde am liebsten hier bleiben.