Vorbereitung

Die Vorbereitung auf mein Auslandssemester besteht aus zwei Teilen. Ein Teil ist der Bewerbungs-prozess. Der andere Teil ist meine persönliche Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt.

Im Bewerbungsprozess habe ich mich zunächst an der Universität Hannover, um einen Studienplatz in Oulu beworben. Anschließend musste ich mich noch einmal an der Universität in Oulu bewerben. In Finnland gibt es öffentlich verwaltete Studentenwohnheime. Die meisten Austauschstudenten, aber nicht alle, konnten dort ein Zimmer mieten. Daher ist es von Vorteil, sich frühzeitig um einen Wohnheimplatz zu bewerben. Die Zimmer werden in Oulu von einer Gesellschaft namens „PSOAS“ vergeben. Viele weitere Informationen sind auf deren Internetseite zu finden.

Persönlich habe ich mich auf das Auslandssemester vorbereitet, indem ich Erfahrungsberichte von anderen Austauschstudenten, die in Finnland bzw. in Oulu waren, und einen Reiseführer gelesen habe. Ich habe einen Englischkurs besucht, um mich wieder daran zu gewöhnen, Englisch zu sprechen. Außerdem habe ich mir Gedanken über meine persönlichen Ziele (Zurechtfinden in einer fremden Umgebung mit einer fremden Sprache, Freunde an einer neuen Universität finden) gemacht, die ich durch das Auslandssemester erreichen wollte.

Unterkunft

Wie oben angedeutet habe ich in Oulu in einem Wohnheimzimmer von PSOAS gewohnt. Das Zimmer war ungefähr 17 m2 groß und möbliert. Es war ein Kleiderschrank, ein Bett, ein Tisch und ein Stuhl vorhanden. Außerdem war ein Waschbecken mit Spiegel und einem kleinem Schrank im Zimmer untergebracht. Außerhalb meines Zimmers gab es 2 Toiletten, 2 Duschen und eine Gemeinschaftsküche, die ich mit 6 anderen Bewohnern geteilt habe. Teilweise waren die Möbel beschädigt, allerdings hat sich PSOAS schnell um eine Reparatur/Ersatz gekümmert. Außerdem war ich positiv von der Sauberkeit der gemeinsam genutzten Räume überrascht. Einerseits haben meine Mitbewohner regelmäßig geputzt. Anderseits kam einmal in der Woche eine Reinigungsfirma, welche die Toiletten, die Duschen und die Fußböden gereinigt hat obwohl wir offiziell alles selber putzen mussten.

Die meisten Austauschstudenten in Oulu leben mit anderen Austauschstudenten in einem Gebäude. Der Vorteil ist, dass man schnell erste Kontakte knüpft, der Nachteil, dass man sich anstrengen muss, um Kontakt zu finnischen Studenten herzustellen.

Studium

Die Studienordnung in Oulu ist sehr angenehm. Sowohl nicht bestandene als auch bestandene Klausuren dürfen beliebig oft wiederholt werden und nur die beste Note zählt. Darüber hinaus dauern Klausuren in der Regel vier Stunden obwohl oft bereits zwei Stunden ausreichen würden, um die Klausur zu bearbeiten und noch einmal zu überprüfen.

Generell sind finnische Universitäten sehr informell. Professoren und Dozenten werden üblicherweise geduzt und es ist erlaubt, Kurse an anderen Fakultäten zu belegen. Einige Kurse, die in Oulu angeboten werden, haben eine begrenzte Teilnehmerzahl. Zwei Kurse, die ich belegen wollte, waren bereits voll bevor ich die Möglichkeit hatte mich anzumelden. Folglich ist ein Learning Agreement keine Garantie für die Möglichkeit, an den gelisteten Kursen mit begrenzten Teilnehmerzahlen teilnehmen zu können. Daher sollte in diesen Fällen der Dozent schon vorab kontaktiert werden. In Oulu werden sehr viele Kurse auf Englisch angeboten. Oft gibt es zusätzlich die Möglichkeit Kurse, deren Vorlesungen auf Finnisch abgehalten werden, mit englischem Lehrmaterial und einer Prüfung auf Englisch zu absolvieren.

Die Universität Oulu ist mit zwei großen Bibliotheken ausgestattet. Dort gibt es viele PC-Arbeitsplätze und darüber hinaus gibt es zwei PC-Räume sowie PCs auf den Fluren. Jedem Studenten steht an jenen PCs ein Druckkontingent von 100 DIN A4 Seiten pro Monat zur Verfügung.

In der Universität gibt es eine große Mensa und mehrere kleine Mensen, die spezielle Angebote wie Fisch oder Pizza haben. In der Hauptmensa gibt es eine Salatbar, die sehr zu empfehlen ist.

Insgesamt hat mir das Studium an der finnischen Universität sehr gut gefallen!

Alltag und Freizeit

Zum Alltag in Oulu sollte auf jeden Fall das Essen in der Mensa gehören. Ich habe mich dort häufig mit Freunden getroffen und das qualitativ gute Essen für 2,70€ genossen. Auch der Weg mit dem Fahrrad durch den Wald zur Universität oder in die Stadt ist sehr schön und empfehlenswert. In Oulu wird generell viel Fahrrad gefahren, der Bus ist erst im Winter das geeignetere Fortbewegungsmittel.

Als Freizeitaktivitäten sind Wochenendausflüge sehr beliebt gewesen. Teilweise werden sie von Gruppen wie „ESN“ oder „NISO“ organisiert. Gerade diese sind am Anfang gut, um neue Leute kennenzulernen. Sobald die ersten neuen Freunde gefunden sind, bietet es sich auch an, einen privaten Wochenendausflug zu organisieren. Wir haben ein großes Auto und zwei Ferienhäuser („mökki“ auf Finnisch) gemietet und haben ein Wochenende im Nationalpark Oulanka verbracht. Das war vergleichsweise günstig und hat sehr viel Spaß gemacht.

Fazit

Die besten Erlebnisse in Oulu waren die Mahlzeiten mit Freunden in der Mensa, die Wochenendausflüge, die Feiern in den Studentenwohnheimen und die Erfahrung, dass ein Studium ganz anders organisiert sein kann als in Hannover.

Wirklich schlechte Erfahrungen habe ich in Finnland nicht gemacht. Allerdings fand ich das undurchsichtige Vergabeverfahren der Wohnheimzimmer-Vermittlung unangenehm, da nicht abzuschätzen war wie wahrscheinlich es ist, ein Zimmer zugeteilt zu bekommen.